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Lauftreff: Helgoland Marathon 2010 Teil 2

Nachricht vom 16.05.2010

Zu allen Nachrichten

 

Lauftreff: allgemein

 
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Zwei Artikel über: Helgoland Marathon 2010

Artikel 1: "Wechselnde Böen und starke Zeiten!", Helgoland Marathon 2010

Artikel 2: Die "Homestory" vom Helgolandmarathon 2010

 

 

Die "Homestory" vom Helgolandmarathon 2010

Platz 3 in der Männerhauptklasse!

 
Egal, was die Zukunft auch bringen wird; diese Aussage bleibt als Generalüberschrift für den Start der Delligser Marathonläufer beim Helgoland-Marathon 2010 bestehen. Wir waren in diesem Jahr nicht ganz so erfolgreich wie 2009, aber fünf wunderbare Tage auf dem Roten Felsen lassen das als eine durchaus verschmerzbare Kleinigkeit vergessen. Doch von Anfang an…

…das Abenteuer Helgoland Marathon 2010 begann mit einer Hiobsbotschaft für uns: Tewes, der Vorjahressieger, kann nicht starten! Tewes und Tanja, die sich seit langem auf die Verteidigung von Tewes Titel aus dem Jahr 2009 gefreut haben, mussten aufgrund einer Erkrankung ihres Sohnes Tom zu Hause bleiben. Das hat nicht nur die Beiden, sondern auch eine Menge von Insulanern und Läufern mitfühlen lassen. Mittlerweile geht es dem kleinen Tom wieder gut und auch ohne unseren „Lokalmatador“ haben wir uns ordentlich auf der Insel geschlagen. Wie sagte Frank Themsen beim Abschied so schön: „Grüßt Tewes von mir. Nächstes Jahr sehen wir uns hier!“ Dem ist, glaube ich jedenfalls, nichts hinzuzufügen.

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Ein Klasse Läufer und ein verdammt netter Kerl: Frank Themsen. Helgoland Marathonsieger 2010 von der LG Bremen Nord.

 
Freitagmorgen. Regen! Was für ein Schietwetter. Dazu ein elender Verkehr. Der Doktor kutschiert Gabi, Kathrin und mich in Richtung Nordsee. Im Schlepptau haben wir Güni plus Steffi und Füßchen. Jürgen, Karin, Besi, Biggi, Macho, Kathrin, Jens, Nils und Malte sind bereits nach Cuxhaven unterwegs. Dabei sind auch die Hunde Maggie, Jenna und Jamie. Unser gemeinsamer Treffpunkt ist dieses Mal der Fährhafen. Der Doktor bringt uns sicher an, das Wetter ist noch immer bescheiden. An der Fahrkartenausgabe treffen wir Frank Themsen, Tewes Konkurrenten um den Sieg aus dem letzten Jahr. Der Typ ist noch immer so locker, frisch und lustig wie 2009. „Dieses Jahr“ sagt er „habt ihr es nicht so einfach alle Titel abzuräumen. Ich habe Verstärkung mitgebracht.“ Er verweist auf einige Läufer der LG Bremen Nord. Wir scherzen und lachen. Nebenbei eröffnen wir die gemeinsame Reisegruppe LG Bremen Nord/Delligser Lauftreff. Das sorgt für ein günstiges Fährticket und jede Menge Spaß auf der Überfahrt. Lediglich die kabbelige See macht dem Einen oder Anderen einen Strich durch die Rechnung. Der Seegang ist ordentlich, eine Vielzahl von Passagieren füllt ihre Spucktüten und Gabi und Steffi sehen irgendwie nicht richtig gut aus. Wie sagt der Doktor so schön zu seiner Gabi: „Jetzt ist Frühling. Alles wird grün.“ Aber auch diese Überfahrt geht zu Ende. Beim Ausbooten müssen wir in die schlingernden Börteboote hopsen und uns noch einmal über die Wellenberge schippern lassen, dann ist es geschafft.

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Helgoland; von der Düne aus gesehen.

 
Wie schon im letzten Jahr ist das Kurmittelhaus unsere Unterkunft. Der Empfang durch Frau Jagdhuber ist herzlich. Die Zimmer sind traumhaft, der Blick aufs Meer grandios. Von der ersten Sekunde an fühlen wir uns wie Zuhause. Nur das Wetter…das spielt immer noch nicht mit. Aber wir erfahren, dass es Morgen besser werden soll. Na, schauen wir mal.

Abends hocken wir noch alle zusammen in Günis Appartement. Gute Laune ist angesagt. Wenn Besi und Füßchen dabei sind, ist das ohnehin garantiert. Unser „Neuzugang“ Jens scheint aber auch ein ganz besonderer Spaßvogel zu sein. Er hat sich für den Marathon angemeldet, will aber nur zwei Runden laufen, denn: Jens ist zurzeit völlig untrainiert. „Wie soll das Morgen gehen?“ fragt er mich. Ich antworte: „Jetzt lauf erst Mal los und zwar so langsam, dass es für dich in der ersten Runde wie ein Spaziergang ist. Wenn Du dich nach der Zweiten noch gut fühlst, machst Du einfach weiter.“ Er schaut mich stirnrunzelnd an. „Meinst Du wirklich?“ „Klar“ sage ich und ergänze: „Wenn es gut läuft, kannst Du auf der Zielgeraden noch ein paar Kusshände verteilen.“ Da lacht der Jens. In diesem Moment ahne ich noch nicht, dass ich diesen Spruch noch bereuen werde.

Noch während wir zusammen sitzen, telefonieren wir. Jörn, Karsten und Achim starten morgen früh beim Rennsteiglauf. Mario ist um 18 Uhr beim „Run to Kill“ einem 100 Meilen Lauf gestartet. Irgendwie ist Delligsen im Moment überall. Mario gibt uns per Handy einen kurzen Zwischenbericht. Die Rennsteigler sind guter Dinge und warten auf den Start.

Ich habe phantastisch geschlafen. Petra, Kathrin und ich frühstücken in aller Ruhe. Danach machen sich der Doktor, Jens, Jürgen und ich auf einen Spaziergang mit den Hunden. Das ist eine der absolut positiven Seiten des Helgoland Marathons. Während man bei allen Großstadtläufen früh im Startblock sein muss, eventuell noch eine lange, stressige Anfahrt hinter sich bringen muss und beim Startschuss schon ein paar Stunden wach ist, kann man auf Helgoland eine ruhige Kugel schieben. Um 7 Uhr aufstehen reicht völlig. Danach essen und eben dieser Spaziergang. Der Doktor hatte gestern Abend noch zum Besten gegeben, dass er im kurzen Singlet laufen will. Während wir vom Jachthafen Richtung Jugendherberge gehen, legt er diesen Vorsatz zu den Akten. Heute ist lang angesagt. Der Himmel ist bleigrau und der Wind weht ordentlich, Außentemperatur acht Grad. Ich bin schon jetzt gespannt, wie die Verhältnisse auf dem Oberland sind. Den Hunden macht das Wetter nichts aus. Maggie versteht sich mit Jens Beaglehündin Jamie sehr gut.

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Jürgen, der Doktor und Güni beim Start.

 
Um 9 Uhr verlassen wir das Kurmittelhaus. Zum Start sind es fünf Minuten Fußweg. Dort angekommen gibt es ein Wiedersehen mit Antje Möller. Mit ihr habe ich im letzten Jahr einen Großteil des Rennens zusammen gelaufen. Im Ziel war ich eine Minute vor ihr. Sie verfehlte den Streckenrekord von 3:14 Stunden nur um eine Minute. Ich habe in den letzten Wochen ihre Ergebnisse im Internet recherchiert und mir ist klar: 2010 werden Antje und ich nicht zusammen laufen. Die 40jährige Ausnahmeläuferin aus Duisburg ist momentan für mich eine Nummer zu stark. Allerdings habe ich für diesen Fall ja Jürgen mitgebracht. Der ist verdammt gut drauf und kann bestimmt mit Antje das Rennen gestalten. Wir schwatzen über meine Planung, lachen und sind bester Laune. Antje verrät uns, dass dies ihr erster Marathon in Jacke und mit Handschuhen wird. Was die Handschuhe angeht, ist das bei mir genau so. Auch Michael Reise begegne ich am Start. Er ist ein Kollege von mir und, nach einem Treffen bei den Niedersächsischen Crossmeisterschaften der Polizei, wusste ich, dass er hier starten will. Michael ist ein starker Marathonläufer. Ich kann noch ein paar Tipps, was die Strecke angeht, loswerden und werde später Zeuge, wie gut Michaels Form ist.

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Antje und Jürgen haben den Trainer abgehängt.

 
Dann fällt der Startschuss und das Feld sortiert sich schnell. Frank Themsen und der Pole Kopcewiecz übernehmen sofort die Führung. Michael folgt in kurzem Abstand. Antje, Jürgen und ich klinken uns zwischen Platz 10 und 15 ein. Wir versuchen gleichmäßig ins Rennen zu kommen und ich weiß schon jetzt, dass einige von den Läufern, die da vor uns losgerast sind, bald hinter uns sein werden. Beim Düsenjäger machen wir einige Plätze gut. Die satte Steigung trennt in jeder Runde die Spreu vom Weizen. Auf dem Oberland wechseln sich Jürgen und ich in der Führung ab. Schon hier kommt mir der Gedanke: Verdammt, das ist ganz schön schnell. Vor allem wenn Jürgen vorn ist, muss ich mich sputen. Wir fallen in Richtung Unterland und hetzen über die Mole. Am Wendepunkt angekommen entschließe ich mich dazu, das Tempo rauszunehmen. Antje und Jürgen entfernen sich, während ich in meinen Rhythmus komme. Im „Gegenverkehr“ kommen mir meine Jungs entgegen. Besi vorweg. „The Machine Besler“ arbeitet mal wieder mehr, als das er läuft. Dahinter das Trio Güni Opitz, Doc Thomas Griebel und Andreas Fuß. Die sehen locker aus. Danach kommt mir Jens entgegen; ein Lächeln auf dem Lippen. Na ja, denke ich, das wird ihm auch noch vergehen. Die Helgoländer Runde ist alles andere als ein Kinderspaziergang. Nach Runde 1 zeigt meine Uhr 47 Minuten an. Das ist für mich eine gute Zeit. Schneller als im Vorjahr. Antje und Jürgen sehe ich weit vor mir.

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Güni und Füßchen am Ende des Düsenjägers.

 

In Runde 2 laufen zwei Läufer zu mir auf. Sie folgen bis zum Düsenjäger und reißen dann ab. In Richtung Leuchtturm kann ich Antje und Jürgen nur noch am Horizont erahnen. Das liegt einerseits daran, dass die beiden wirklich schnell unterwegs sind und zum anderen, dass meine Augen nicht mehr so gut sind. Auf der Mole sehe ich klarer. Mein „Lieblingsgegner“ Jürgen hat ordentlich Dampf unter den Sohlen. Zusammen mit Antje entfernt er sich unaufhörlich von mir. Besi und die anderen sehen noch immer gut aus. Der Abstand zwischen Besi und der Dreierbande hat sich etwas vergrößert. Jens erblicke ich jetzt nicht mehr. Auch Michael Reise klemmt noch hinter den Führenden. Ich sorge mich ein wenig, denke dass er zu schnell unterwegs ist, aber Michael wird am Ende Gesamtdritter in hervorragenden 2:52 Stunden. Eine Klasse-Leistung.

Beim Zieldurchlauf in Runde 3 blicke ich wieder auf die Uhr. 1:34 Stunden. Wieder eine 47er Runde, auch dieses Mal schneller als im Vorjahr. Ich denke: Das ist gut. Sehr gut. Wenn Jürgen das Tempo da vorn durchhält, dann ziehe ich den Hut vor ihm. Bei mir ist momentan nicht mehr drin. Kurz vor Treppe zum Oberland überholt mich ein Läufer im gelben Shirt. Der Typ geht in gnadenlosem Tempo vorbei. Wo kam der denn her? Ich erinnere mich, dass er auf der Mole drei Plätze hinter mir lag. Vermutlich eine gute Renneinteilung. Auf dem Oberland bin ich für mich allein. Der Typ in Gelb geht weg, ansonsten ist niemand zu sehen. Aber ich fühle mich gut. Helgoland ist „meine Insel“. Ich weiß nicht, wie viel Hundert Kilometer ich schon auf dieser Strecke trainiert habe; auf jeden Fall eine ganze Menge. Ich kenne jede Kurve, jeden Stein und alle Windverhältnisse. Heute ist der Wind gnädig. Ich hatte hier oben wesentlich mehr Luftbewegung erwartet.

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Noch schnell ein Handschlag von Kathrin, ehe es für den Trainer über die Ziellinie geht.

 
Wieder auf der Mole erkenne ich, dass Antje und Jürgen zu den Läufern auf Platz fünf und sechs aufgeschlossen haben. „Alter Schwede, was hat Jürgen da vor? Will der mich deklassieren oder was?“ geht es mir durch den Kopf. Als ich am Moleneingang in die Kehre einbiege, stehen Kathrin und Petra dort. „Jürgen ist drei Minuten vor Dir“ ruft mir Kathrin zu. Ich registriere das und renne weiter. Beim Durchlauf zu Runde vier sehe ich wieder auf die Uhr: 2:22 Stunden, eine 48er Runde. Das läuft verdammt gut für mich. Was mich noch mehr als die Rundenzeit freut ist, dass ich mich noch immer frisch und belastbar fühle. Der Läufer im gelben Shirt ist plötzlich direkt vor mir und ich gehe vorbei. Als ich den Düsenjäger hinauf haste, sehe ich einen Läufer der LG Bremen Nord vor mir. Der war eben noch bei Antje und Jürgen. Geht da noch was? Ich bin skeptisch, aber meine Beine sagen mir: Auf jeden Fall! Kurz vor der Langen Anna überhole ich den Bremer. Der ist ein echter Sportsmann und ruft mir noch ein „Klasse“ nach. Kurz vor dem Leuchtturm sehe ich in Richtung Südhafen und erkenne Jürgen ca. dreihundert Meter vor mir. Er ist allein. Mir wird klar: Jürgen hat Probleme. Wenn er bei weiblicher Laufbegleitung abreißen lässt, dann ist Holland in Not. Ich presche durch den Tunnel und höre am Ende jemanden rufen: „Da ist er ja schon.“ Kathrin schreit mir zu: „Nicht so schnell. Du hast tierisch aufgeholt.“ Ich antworte: „Das ist ein Lauf wie im Traum.“ Ich komme schnell zur Mole und sehe Jürgens Rücken vor mir. Kurz vor der Wende rufe ich ihm zu: „Gib Gas, Schlanker!“ Am Beginn des Fluttunnels bin ich dran. Aber da ist noch jemand, den ich kenne. Jens! Ist der Typ doch glatt in die Dritte Runde gegangen! Ein Wahnsinniger. Als ich sehe, wie er sich über die Strecke schleppt, würde ich ein paar Euro darauf wetten, dass er ganz sicher nicht ankommen wird. Jens verstrahlt die Impulsivität eines angeschossenen Hasen. Die Schultern sind weit nach vorn gestreckt, die Sohlen schlurfen über den Asphalt. Ich ziehe an ihm vorbei und verpasse ihm ein paar aufmunternde Worte. Ein paar Sekunden später klopfe ich Jürgen auf den Rücken und mache genau das, was er in dieser Situation auch machen würde: Ich gebe Gas und versuche so schnell wie möglich ganz viele Meter zwischen uns zu legen. Ich sehe Antje noch vor mir. Aber sie kann ich nicht mehr einholen. Kurze Zeit später, 3:10 Stunden nach dem Start und auf Platz 7 der Gesamtwertung, laufe ich mit ausgebreiteten Armen durchs Ziel. Runde vier ging in 47 Minuten weg und ich fühle mich phantastisch. Könnte Marathon laufen nicht immer so sein? Im Ziel beglückwünsche ich Frank Themsen und Antje Möller zu ihren Siegen. Frank hat das Rennen nach 2:50 Stunden souverän nach Hause gebracht und Antje hat in 3:09 Stunden den alten Streckenrekord pulverisiert. 90 Sekunden nach mir überquert Jürgen auf Platz 8 die Ziellinie. Hier ist der Konkurrenzkampf beendet. Wir fallen uns in die Arme. Ich weiß, was Jürgen jetzt fühlt, schließlich haben wir solche Rennen auch schon in umgekehrten Rollen beendet. Wir schnappen uns alkoholfreies Weißbier und beginnen zu fachsimpeln, da kommt auch schon Besi ins Ziel. Platz 18 in 3:27 Stunden. Wir kommen nicht mal richtig zum Gratulieren, als Güni auf Platz 20, nach 3:28 Stunden, einläuft. Ein Wahnsinn. Wir freuen uns riesig. Güni musste im letzten Jahr auf den Start verzichten, da er sich kurz vor dem Start verletzte. Dieser phantastische Lauf ist mehr als eine Entschädigung für ihn. Der Doktor ist nach 3:34 Stunden, auf Platz 29, im Ziel. Füßchen folgt in 3:39 Stunden auf Platz 35. Beide können mit ihren Zeiten überaus zufrieden sein.

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Zielimpressionen: Der Doktor und Gabi(ich kann mir nicht helfen, irgendwie sieht Thomas wie der Große Gandalf aus).

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Güni: Alles richtig gemacht!

 
Mir ist zwischenzeitlich nicht entgangen, dass kurz nach Jürgens Zielankunft, Jens in Runde vier gegangen ist. Was hat der Knabe vor? Will der seinen ersten Marathon nach Hause laufen? Ohne Training! Im Ziel herrscht Topstimmung. Wir trinken Bier, tauschen unsere Rennerlebnisse aus und inmitten all dieser Freude spüre ich doch, dass jeder an Tewes denkt. Er hätte hier eine reelle Chance auf den Sieg gehabt. Aber was ist schon wenn, wäre und hätte… Nicht nur wir Delligser, auch die anderen Läufer, die Tewes kennen, denken in diesem Moment an ihn. Das sollten wir spätestens bei der Abschlussfeier in der Nordseehalle erfahren. Natürlich denken wir auch an die anderen Delligser Läufer. Ich rufe Karsten an. Das „Projekt Rennsteiglauf“ war erfolgreich. Jörn in 5:49 Stunden auf Platz 12, Karsten in 6:05 Stunden auf Platz 28 und Achim in 6:26 Stunden auf Platz 58 des Gesamtfeldes. Wir haben schon ein paar wirklich schnelle Hirsche in der Gruppe. Auch Mario vergessen wir nicht. Er kämpft sich noch immer durch die Sieben Berge und muss noch 25 Kilometer hinter sich bringen.

Mit umgehängter Bundeswehrdecke schlappe ich zum Kurmittelhaus. Ich bin rundum zufrieden und glücklich. Noch vor kurzem war ich bei einem Hundert-Kilometer-Lauf zwanzig Kilometer vor dem Ziel ausgestiegen. Mir war klar geworden: Das beherrsche ich noch nicht. Heute, nach diesem Marathonlauf, weiß ich für mich: Diese Marathonstrecke hier, habe ich heute voll und ganz beherrscht. Ein traumhaftes Gefühl, dass jeder Läufer nachempfinden kann, der so problemlos ein Rennen zu Ende bringt. Im Kurmittelhaus warten die „Guten Geister“ des Helferteams auf uns. Ich lasse mich massieren und genieße jede Minute. Während ich mit der Masseurin spreche, denke ich daran, wie herzlich, nett und hilfsbereit alle Helfer des Marathons auf der Insel waren. Die Menschen an den Getränkeständen, die Sprecherstation und das ganze Drumherum ist ein gigantisches Wohlfühlteam, das einen unterstützt, wo es nur geht. Im Vergleich zu einem Stadtmarathon darf hier noch richtig „gemenschelt“ werden. Ich bin mir nicht sicher, ob die Helgoländer überhaupt wissen, welches Pfund sie mit dieser Herzlichkeit in die Waagschale werfen können. Dieser Lauf darf mit Fug und Recht als einzigartig bezeichnet werden.

Auch die anderen trudeln jetzt ein. Als ich wieder auf den Beinen stehe, denke ich an Jens. Ich schnappe mir Jürgen. „Komm, lass uns zum Ziel gehen. Wenn der Verrückte das durchhält, müsste er bald reinkommen.“

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Jens mit der perfekten Welle. Natürlich in der ersten Runde... Bild 1.

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Jens mit der perfekten Welle. Natürlich in der ersten Runde... Bild 2.

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Jens mit der perfekten Welle. Natürlich in der ersten Runde... Bild 3.

 

Als wir den Zielbereich betreten ist Jens noch nicht da. Kathrin kommt mir entgegen und sagt mir, dass Petra Jens auf dem letzten Kilometer begleitet. Unser Youngster scheint Beistand zu benötigen. Nach 4:45 Stunden ist es soweit. Alle Delligser haben vor dem Ziel ein Spalier aufgebaut. Petra bringt Jens direkt bis zu dessen Eingang. Jens sieht aus, wie „der Tod auf Latschen“ aber er läuft mit erhobenen Armen ins Ziel. Der Hammer! Platz 151 von 173 Finishern. Eine Minute später sitzt er, in eine Decke gehüllt, überglücklich auf einer Bank. Es folgt minutenlanges Schulterklopfen von allen Delligsern. Jens nimmt alles stoisch gelassen hin und scheint nur noch ein Kandidat für einen Liegend-Transport zu sein.

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Zwei alte Hasen und ein ziemlich fertiger Jungspund. Jamie weiß auch nicht so recht, was mit ihrem Herrchen ist...

 
Eine Stunde später sitzen wir bei Kaffee und Kuchen in der Halle. Ich treffe das Ehepaar Claussen aus Flensburg. Sie haben uns 2008 mit ihrem Flensburger Lauftreff beim Deutschlandsprint unterstützt. Nach ein paar freundlichen Sätzen setze ich mich wieder zu unseren Läufern. Alle sind glücklich und zufrieden. Die Zeiten heute waren wirklich gut. Jürgen und ich freuen uns vor allem, dass wir schneller waren als Mario 2009. „Da wird unser guter Mario noch einmal auf die Insel müssen“ sage ich zu Jürgen. „Die Zeit schafft er eh nicht“ gibt der lachend zur Antwort. Kurze Zeit später ruft Mario bei Jürgen an. Nach 23.58 Stunden hat er den 100 Meilen Lauf auf Platz zwei zu Ende gebracht. Alle Achtung! Natürlich schmiert ihm Jürgen sofort unsere Ergebnisse aufs Brot.

Bei der Siegerehrung ist die Halle brechend voll. Gesamtsieger, Altersklassensieger und die besten Mannschaften werden geehrt. Eine Stimmung wie hier habe ich noch bei keiner Siegerehrung eines anderen Marathons erlebt. Das Ganze wirkt wie eine Familienfeier. Der Sprecher, Siegfried Konjack, führt leider zum letzten Mal durch den Abend. Der Mann ist gut, hat die Veranstaltung und wichtige Details über die Läufer professionell „auf Tasche“.

Wir sahnen ordentlich ab. Platz 2 in der Mannschaft geht an Besi, Jürgen und mich. In der Altersklassenwertung holt Doc Thomas den dritten Platz in der M50. Jürgen wird Zweiter in der M45, ich gewinne die Klasse. Dann kommt der absolute Paukenschlag für uns: Jens wird Dritter in der Männerhauptklasse. Er hüpft auf die Bühne und holt sich den Pokal. Wir grölen und johlen was das Zeug hält. Auf dem Rückweg verteilt Jens ein paar Kusshände und küsst den Pokal. Au weia! Der dreht ja richtig auf! „Wenn man dann noch bedenkt, dass nur drei Teilnehmer in der Männer Hauptklasse gewertet wurden…starke Leistung“, flüstert mir Jürgen ins Ohr. Ich kriege mich kaum wieder ein vor Lachen. Der „Platz 3 in der Männer Hauptklasse“ wird von da an zum geflügelten Wort in unserer Gruppe. Jens spielt den Scherz brav mit, hält seinen Pokal eng umschlungen, verteilt hier und da ein paar Kusshände und bringt die Stimmung gewaltig nach oben. Nur Füßchen und Güni bleiben ohne Pokal…aber nicht lange. Jürgen und ich brauchen schließlich nicht jeder zwei Trophäen und so statten wir unsere Mitstreiter für ihre tollen Erfolge ebenfalls mit dem Helgoland-Cup aus.

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Siegerehrung: Besi hat sich schon mal die Schokolade gekrallt.

 
Kurz vor zwölf liege ich im Bett. Die anderen sind noch auf der Feier. Ich bin hundemüde. So verpasse ich, wie der Rest der Gruppe Jens und Malte in ihren Geburtstag hinein begleiten. Jens hat sich sein Geschenk mit diesem ersten Marathon schon selbst gemacht. Auf Stühlen werden er und Malte durch die Halle getragen. Das soll, so lasse ich mir sagen, der Höhepunkt der Feier gewesen sein.

Helgoland, Sonntagmorgen, kurz nach acht Uhr, Kaimauer hinter dem Kurmittelhaus. Ich blicke ins Meer. Das Wetter ist umgeschlagen, die Sonne lässt sich blicken. Der 13. Helgolandmarathon ist Geschichte. Schön war es wieder. Ich gehe allein über die Kaimauer. Antje, Frank und die anderen wieder zu sehen war klasse. Die eigene Gruppe scheint jede Menge Spaß gehabt zu haben. Was will man mehr? Wenn ich unsere Läufer, die vom Rennsteig bis zum Hunderter von Biel und fast allen großen Stadtmarathons in Deutschland zu berichten wissen, hier so unbeschwert und fröhlich laufen sehe, bin ich immer wieder ergriffen. Jürgen hat es 2009 sehr schön formuliert: „Ich habe schon jede Menge große und traditionsreiche Läufe bestritten, aber das hier, übertrifft sie alle.“ Ich sehe das mittlerweile ähnlich. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen im nächsten Jahr, als Frischling in der M50, noch einmal den Europacup im Ultralauf mitzumachen. Das würde einen Helgolandstart aber vermutlich ausschließen. Vor dem Start hier war mir das egal, aber jetzt…verdammt, ich komme schon ins Grübeln...

Am Nachmittag verabschieden wir einen Großteil der Gruppe. Nur der Doktor, Gabi, Jens, die beiden Kathrins und ich bleiben noch auf der Insel. Und Jamie natürlich. Der kleine Beagle hat mittlerweile von mir den Titel „Weichstes Ohr von Helgoland“ erhalten. Wie können zwei fellbesetzte Hautlappen nur so samtig, kuschelig weich sein? Wir winken, als das Börteboot den Rest der Gruppe zur Atlantis fährt. Die See ist ruhig, die Sonne scheint aus allen Knopflöchern. Ein traumhafter Frühlingstag beendet das gemeinsame Helgolandabenteuer.

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Über 100 Jahre Erfahrung. Thomas und Thomas in der Düne Süd.

 
Für uns stehen noch zwei Tage an, in denen uns die kleine Insel im großen Meer ihr freundlichstes Gesicht zeigt. Die Sonne scheint ohne Unterlass, der Wind lässt nach. Am Abend besuchen wir ein Lokal auf dem Falm und stopfen uns mit Fisch voll. Dazu gibt es Bier satt. Danach hocken wir uns in Jens Quartier und Kathrin führt uns ihre ersten Schnappschüsse auf dem Fernseher vor. Jens läuft mit der Helgoland-Marathon-Medaille durchs Zimmer und küsst ab und an den Pokal.

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Die totale Entspannung: Besi und Jens an der Langen Anna.

 

Der Montag sieht uns beim lockeren Auslaufen auf der Insel. Während der Doktor und ich langsam die Marathonrunde abzockeln macht Jens schlapp. Im Fluttunnel bleibt er stehen und täuscht eine Verletzung vor…jämmerlich. Selbst Jamie fällt auf, das ihr Herrchen schlichtweg nicht mehr kann. Jens humpelt aufs Oberland, wir laufen die Mole zu Ende und folgen ihm dann. Den Düsenjäger runter fühlen sich die Beine wie Stöcke an. Während Thomas und ich mit verzerrten Gesichtern das Ende des Gefälles erreichen, werden wir vom „Dritten der Männerhauptklasse“ überholt. Der ist wieder frisch, brüllt wie am Spieß und schießt an uns vorbei.

Danach geht es in die Sauna des Helgoländer Bades. Der Bereich ist komplett neu angelegt worden. Wir stellen schnell fest, dass diese Sauna, mit einem großen Panoramafenster zur Nordsee hin, mit Sicherheit zu den schönsten Saunen Deutschlands zählt. Auf der Sonnenterasse, die diesen Namen heute auch tatsächlich verdient, liegen wir auf den Matratzen und ärgern uns eigentlich nur über eines: Ein Flens wäre jetzt nicht schlecht.

Der Nachmittag sieht uns bei einer Bunkerführung, die von Rolf Blädel mit Witz, Klasse und großem Wissen geleitet wird. Ein absolutes Highlight unseres Helgoland-Aufenthaltes. Dazwischen gibt es Fischbrötchen, Eis, Kekse…irgendwie macht diese Seeluft so unglaublich hungrig.

Abends steht die Düne Süd an. Während wir uns mit Fisch und Fleischgerichten begnügen, muss Jens wieder mal übertreiben. Jumbo Burger XXL mit einer Extraportion Pommes. Aber okay…als Dritter der Männer Hauptklasse…

Dienstagmorgen. Die Temperatur ist gestiegen. Auch heute begleitet uns die Sonne über den Tag. Nach dem Frühstück fahren wir auf die Düne. Ich hoffe auf den Anblick einiger Robben und Seehunde. Was uns dann widerfährt, übertrifft all unsere Erwartungen. Beim Dünenrundgang überschlage ich die Zahl der Tiere auf über 300. Wir kommen nah heran und Kathrin kann reichlich Fotos schießen. Die Düne ist ein ganz besonderes Naturerlebnis, das man nur hier auf Helgoland zu sehen bekommt. Die Mittagszeit sieht uns hungrig und schon ein wenig sonnenverbrannt. Wir fahren zurück und steuern die Fischbrötchenbude an. Ich sage nur: Wer sich noch nie ein Backfischbrötchen auf Helgoland gegönnt hat, sollte das schleunigst nachholen.

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Nirgends hat man vor diesen Delligsern Ruhe...

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Selbst Mütter mit Kindern müssen die Flucht ergreifen...

 
Um 15.45 Uhr besteigen wir das Börteboot. Die Taschen voll mit Shopping-Schnäppchen und den Kopf voller wunderbarer Erinnerungen lassen wir uns zur Atlantis fahren. Die Überfahrt vergeht wie im Flug und kaum sind wir in Cuxhaven, beginnt es zu regnen. Als wir uns am Fährhafen verabschieden, verteilt Jens noch ein paar Kusshände. Der Typ ist unglaublich…

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Wie war das nochmal mit dem Honigkuchenpferd?

 
Damit endet das Helgoland-Abenteuer 2010. Ich kann mich täuschen, aber 2011, da bin ich mir ganz sicher…wird wieder so ein Stoßtrupp des Delligser Lauftreffs sich auf den Weg übers Meer machen. Dann wieder mit Tewes und…wer weiß…vielleicht noch einigen anderen Laufüberraschungen.

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Blick auf die See. Helgoland zeigt uns sein Sonnengesicht.

 
Artikel 1: "Wechselnde Böen und starke Zeiten!", Helgoland Marathon 2010

 

 
© Thomas Knackstedt

 

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Letztes Update dieser Seite: März 2012.
 

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